Am Anfang ging es mir nur um eine Cyberpunk-Brille als Teil eines Karnevalskostüms für einen einzelnen Abend. Allerdings ist eine Brille mit viel Elektronik dran, die keine Funktion hat auch uncool. So kam eines zum anderen und man Ende stand eine funktionsfähige Nachtsichtbrille. Die als einfacher Bestandteil eines Kostüms wohl schon ziemlich overkill ist.
Die Nachtsichtfunktion beruht darauf, dass man den zu beobachtenden Bereich mit nicht sichtbaren infrarotem Licht ausleuchtet.
Mit einer Kamera wird das ganze dann aufgenommen und über einen kleinen Bildschirm angezeigt.
Als Bildschirm verwendete ich den Sucher eines alten Camcorders, welchen ich vor der Mülltonne gerettet habe. Bei dem Sucher handelt es sich um eine kleine Kathodenstrahlröhre. Solche CRTs werden mit Hochspannung betrieben, man bekommt also einen gewischt, je nach dem wo man rumfingert. Die Hochspannung sollte allerdings nicht allzu gefährlich sein, weil keine große Energie dahinter ist (Stichwort Weidezaun). Entladungen sollten dennoch möglichst vermieden werden, um die Elektronik nicht zu beschädigen. Ausgebaut habe ich auch die Ansteuerelektronik für die CRT, mit der man unter anderem auch den Fokus und die Helligkeit verstellen kann. Angeschlossen wird das Modul mit 3 Leitern: 5V, GND und Video-IN. In dem Camcorder war das Modul allerdings mit 5 oder 6 Kabeln angeschlossen. Also besorgt man sich das Datenblatt von dem Steuerchip auf der Platine. Jetzt weiß man, welcher Pin was ist, also nurnoch den Leiterbahnen folgen, um zu erfahren, wo die 3 Kabel angeschlossen werden. Da Durchmessen, zumindest bei Video-IN, nicht möglich war, weil die Leiterbahn durch einen Kondensator und einen Widerstand unterbrochen ist.
Jetzt muss man sich nur noch um die Optik kümmern. Die Optik der Videokamera war mir zu groß also habe ich mir selber eine aus zwei Linsen und dem Metallrohr eines alten Besenstiels gebaut. Durch verschieben der Kathodenstrahlröhre in dem Rohr kann man das Bild scharf stellen.
Bei der Wahl der Kamera sind vor allem 2 Dinge wichtig:
1. die Kamera ist eine Schwarz-Weiß-Kamera
2. die Kamera hat eine möglichst hohe Lichtempfindlichkeit
Wenn mann nur eine Farb-Kamera zur Verfügung hat, muss man zunächst den IR-Sperrfilter ausbauen.
Ich habe mich für eine s/w CCD-Kamera mit 0,01lx Empfindlichkeit entschieden.
Zum Ausleuchten verwende ich einen 0,4W IR-LED-Cluster. Welcher eine schön gleichmäßige Ausleuchtung im Nahbereich gewährleistet.
Als Energielieferant dienen zwei 9V Block-Batterien. Die Spannungen für die Kamera und die Kathodenstrahlröhre werden jeweils über einen LM317 IC geregelt. Der LED-Cluster wird mit einem Vorwiderstand betrieben.
Da es sich bei dem hier vorgestellten Nachtsichtgerät nicht um einen Restlichtverstärker handelt, habe ich lediglich die Bildqualität, nicht die Lichtempfindlichkeit verglichen.
Im Vergleich mit meinem sowjetischen T3C-2 liegt die Brille vorne.
Mein Night-Owl-Optics Nachtsichtgerät (damals ca150€) lässt die Brille allerdings alt aussehen.
Zum im Wald herumlaufen ist die Brille wohl nicht geeignet, man hat mit ihr kaum ein Gefühl für Entfernungen. Dieses Problem hat man aber auch mit meinen anderen Geräten.
Die Aufnahme von dem Bildschirm ist etwas unscharf geworden, im Orginal ist das Bild doppelt so schraf. Gestochen scharf ist dennoch anders. Das Gerät hat dafür einfach zu wenig Auflösung.
Für eine gutes Bild ist der von mir verwendete LED-Cluster zudem grenzwertig. Bei zu wenig Ausleuchtung werden Konturen nurnoch unscharf dargestellt.
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